Secret of Nature

Wie nennt man das, wenn sich die Natur zurückerobert, was ihr gehört, ihr Territorium wieder einnimmt oder wortwörtlich „Gras über eine Sache wächst“? Diese Frage habe ich mir gestellt, als ich diesen nicht ganz klassischen Lost Place entdeckt habe. Fakt ist: Die Natur ist schon etwas Beeindruckendes! Lässt man sie unberührt, sucht sie sich ihren Weg. Genau wie dieser Baum, dem selbst ein Eisenzaun, der sich ihm in den Weg gestellt hat, kein Hindernis darstellen konnte.

Zaun im Baum

Direkt am Fluss, unübersehbar für jeden Flaneur, findet sich dieser alte, rostige Zaun, den ich persönlich nicht einmal mit einer aufgefrischten Tetanus-Impfung anfassen wöllte. Wozu dieser Zaun einmal gehört haben mag? Unklar. Wie lange er hier schon steht? Ebenfalls unklar. Aber es müssen schon viele Jahrzehnte sein. Denn schaut man einmal genauer hin, erkennt man, dass der Eisenzaun in den Baumstamm eingewachsen ist bzw. der Baum den Zaun beim Wachsen geradewegs verschlungen hat.

Dass so etwas gar nicht mal so selten vorkommt, zeigt das folgende Bild. Auch hier hat sich die Natur zurückgenommen, was ihr gehört: Ihre Freiheit.

Zaun im Stamm

Was das ist, brauche ich wohl nicht zu erläutern. Dieser Baum wurde als junge Pflanze einst von einem Zaun gegen Tiere oder die Witterung geschützt. Er sollte nicht entwurzeln oder Gefahr laufen umzustürzen. Nun ist aus dem zarten Sprössling ein prächtiger Oldie geworden. Vermutlich hat er schon mit dem Abschluss der mittleren Reife seine Ketten gesprengt und ist nun sehr wohl im Stande seinen Weg selbst zu beschreiten und ohne fremde Hilfe aufrecht zu stehen. Auch hier haben Teile des Zauns nicht einfach nur dem raschen Wachstum des Stammes nachgegeben, sondern sind mit der Rinde verwachsen. Warum kein städtisches Grünflächenamt dagegen Maßnahmen einleitet, bleibt ein Rätsel.

Und auch beim letzten Exemplar zeigt sich klar, wer mit der Zeit den Kampf „Natur vs. Urbanität“ gewinnt.

Zaun in Stämmen

Wenn auch rund einen halben Kilometer voneinander entfernt, findet sich auch an dieser Stelle direkt am Fluss eine ca. 2 Meter lange Eisenstange oder -schiene verwachsen in Bäumen wieder. Seht ihr sie zwischen den Ästen und Stämmen? Sie ist schon so verrostet, dass sie mit dem natürlichen Braun-Grau der Umgebung beinahe verschmilzt. Sie wirkt fast wie platziert und doch wölbt sich der Stamm bereits über das Metall.

Also, wie nennt man das nun, wenn sich die Natur nimmt, was ihr gehört? Vom Menschen bewusste beeinflusst heißt es „Renaturierung“, aber das ist hier nicht der Fall. Wie es auch heißen mag, ich kann mir diese Bäume nur mit geweiteten Augen und offen stehendem Mund anschauen und staunen. Bleibt es doch gewissermaßen ein gut gehütetes Geheimnis, wie die Natur solche faszinierenden Dinge anstellt.

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