Warum in Flüssen manchmal Baumstämme liegen

Habt ihr so etwas schon einmal gesehen? Mitten in einem Fluss liegen plötzlich Baumstämme, Sträucher oder Äste so platziert, dass ihr genau wisst, dass diese nicht von selbst dahin gekommen sein können. In der Chemnitz gibt es eine Stelle, an der man sich genau das anschauen kann. Am Rande des Zentrums in nördlicher Richtung verläuft der Fluss am hiesigen Kältewerk vorbei. Hier liegen auf einer geschätzten Strecke von 200 Metern Baumstämme im Wasser. Doch wozu? Was das für einen Zweck hat, habe ich mal etwas genauer recherchiert. Die Antwort ist ziemlich interessant!

Diese Stämme im Wasser gehören zu einem Konzept, welches man „Renaturierung“ nennt. Es beschreibt den Prozess der Wiederherstellung naturnaher Lebensräume in Gewässern.

naturnahe Gewässer – Was heißt das?

In Städten sind Flussläufe oft begradigt und kanalisiert, d.h. sie sind teilweise künstlich angelegt oder aufgehübscht, damit sie ins Stadtbild passen. Das Leben für Tiere und Pflanzen ist dabei oft nur eingeschränkt möglich. Eine Renaturierung wird daher oft angestrebt, um ursprüngliche, „natürliche“ Lebensräume wiederherzustellen. So haben Tiere wie Vögel, Lurche oder Insekten die Chance sich wieder anzusiedeln und Pflanzen können sich verstärkt ausbreiten. Letzteres ist zudem auch die Grundlage, damit sich Tiere wieder heimisch fühlen. Erreicht wird dies durch beispielsweise diese Baumstämme im Wasser.

Aber nicht nur in Stadtflüssen wird renaturiert. Sogenanntes „Totholz“ trägt seinen Teil dazu bei, dass überall wo es Flussläufe gibt, ein natürlicher Lebensraum wieder entstehen kann. Als Totholz zählt neben gezielt platzierten Baumstämmen auch Ufergehölz, also Äste, feines Reisig oder umgestürzte Bäume, die noch fest verwurzelt sind. All dies trägt dazu bei, dass die Strömungsgeschwindigkeit und die Wassertiefe beeinflusst werden. So finden Tierarten im Gehölz Unterschlupf oder können sich vor Fressfeinden verstecken.

Darüber hinaus sind renaturierte Gewässer auch weniger anfällig für Überschwemmungen. Totholz weitet den Fließbereich von Gewässern aus. D.h. übertretendes Wasser richtet weniger Schaden an, weil das Flussbett im Vornherein bereits entsprechend ausgebreitet ist. Im Vergleich dazu sind beispielsweise eng angelegte Kanäle anfällig für Überschwemmung, weil sie nicht für große Wassermassen gedacht sind.

Fun Fact

Ein ganz natürlicher Renaturiesierer ist der Biber. Durch seine Arbeit an seinen sogenannten „Biberburgen“ entstehen Ansammlungen von Totholz im Gewässer auf ganz natürliche Weise. Hierzu gibt es einige Studien, die ein exponentielles Wachstum von Fischbeständen in der Nähe von Biberburgen belegt haben. Fischen bietet so ein Gehölzhaufen Schutz vor Fressfeinden, sie können in Ruhe laichen und Jungfische sind ebenfalls nochmals besser geschützt.

Fazit

Renaturierung ist ein spannendes Thema und man könnte noch stundenlang darüber schreiben. Ich bin kein Fachmann, aber mich hat die Frage warum da diese Baumstämme im Wasser liegen so gewurmt, dass ich einfach nachschauen musste. Jetzt weiß ich, das hier angestrebt wird, ein gutes Ökosystem auf die Beine zu stellen. Das finde ich super, denn beim Thema Naturschutz bin ich mit dabei!

Wenn ihr also ab und zu an einem Fluss oder Bach vorbei geht, in dem sich Ästchen und Gestrüpp angesammelt haben, dann schüttelt nicht den Kopf darüber und fragt euch, wann das mal jemand aufräumt. Denkt eher so: Dieses Gewässer ist ein gesundes Gewässer! 😀

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